Am Dienstag (29.11.) abend infomierte die Grundschule an der Marie die Eltern der Viertklässler über die Vorteile, ihr Kind bis zur sechsten Klasse an der Marie zu lassen. Ehemalige Schüler stellten ihre neuen Schulen (links siehe unten) vor – und erzählten sehr selbstbewusst davon, warum sie die sechsklassige Marie gut fanden. Schulleiter Jürgen Stolze berichtete über die weit überdurchschnittlichen Leistungen der Marie-3.-Klässler beim VERA-Vergleichstest.
An dem Abend ging es auch um die Frage, wo Schüler in der fünften und sechsten Klasse mehr lernen: Im Gymnasium oder in der Grundschule. Aussagen dazu macht die Element-Studie. Sie beweist angeblich die höhere Leistungsfähigkeit der grundständigen Gymnasien. Das Gegenteil ist richtig:
„In keinem Leistungsbereich sind Förderwirkungen des grundständigen Gymnasiums nachweisbar“.
Das schreibt Jürgen Baumert, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Er hat die Leistungsdaten verglichen, die 5.+6. Klässler in Grundschule bzw. grundständigem Gymnasium bringen. (Siehe auch Die Zeit und Tagesspiegel)
Auch die genaue Lektüre der Element-Studie zeigt, dass die Förderung der Schüler in den fünften und sechsten Klassen der Grundschulen besser funktioniert. Jedenfalls legen die Schüler dieses Altersjahrgangs in der Grundschule im Leseverständnis mehr zu als an den grundständigen Gymnasien. In Mathematik sind die Zuwächse der Gymnasiasten minimal größer als an den Grundschulen.
Die Zuwächse in Mathematik betragen am Gymnasium 20 Punkte, an der Grundschule 19. Im Lesen liegt die Grundschule mit Plus 13 Punkte vor den neun Punkten Zuwachs an den Gymnasien. So steht es in der Endauswertung der Elementstudie von Rainer Lehmann. Grundlage der Untersuchung waren Stichproben der grundständigen Gymnasien, die 7 Prozent der Berliner Schüler besuchen. 93 Prozent der Schüler gehen in Berlin in die fünften und sechsten Klassen der Grundschule.
Dass die Gymnasiasten in der Leistungshöhe grundsätzlich vor den Grundschülern sind, liegt an der Auswahl der Schüler. Denn es schicken Elternhäuser früher aufs Gymnasium, so Baumert, die „eine kognitiv, leistungsmäßig, motivational … hoch ausgelesene Schülerschaft“ darstellen. Keinen Einfluss auf die Leistungen hat offenbar der Unterricht an den Gymnasien. Besonders enttäuscht war Baumert daher auch, dass die Gymnasien die besten Berliner Schüler bekommen und nichts daraus machen: „Im Vergleich zur Grundschule ist kein differenzieller Fördereffekt des zweijährigen Besuchs eines grundständigen Gymnasiums auf die Lesekompetenz nachweisbar.“ (Zitate Baumerts aus einem Artikel in Zeitschrift für Erziehungswissenschaft.)
Der Grund für die Interpretation der Elementstudie war ein Interview, in dem der Autor der Studie vor deren Veröffentlichung behauptete: „Laut Element versagen die sechsjährigen Grundschulen in der Förderung leistungsstarker Schüler, helfen den Leistungsschwächeren aber kaum.“ (Die Zeit, 2008)
Alle Berliner Vergleichststudien finden Sie unter dieser Adresse der neuen Schulsenatorin.
Die neuen Schulen der Ex-Marie-Schüler waren die Käthe-Kollwitz-Oberschule, die Primo Levy Oberschule, die Evangelische [Gemeinschafts-] Schule Berlin Zentrum sowie das John-Lennon-Gymnasium.


