… wo bist du nur?
Der Bezirkselternausschusses informierte Pankower Eltern (am Donnerstag) über die neue Schulstruktur ab 2010 – und die Hütte war restlos voll.
Der Ratsaal im Bezirksamt Pankow Breite Str. 24 (da ist auch das Briefwahllokal) war dicht. Rund 30 Eltern drückten sich vor der Tür die Nase platt, weitere 30 trollten sich, drinnen saßen rund 200.
Infos: Ab 2010 gibt es zwei Wege zum Abi: Über das Gymnasium und die Sekundar- bzw. Gemeinschaftsschule. Im Gymi in 12, bei den anderen auch in in 13 Jahren.

In Pankow “legen wir an Gymnasialplätzen zu”, sagte die Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD).
Für Pankow/Prenzlauer Berg heißt das: Es werden die bestehenden Gymnasien bleiben, die Robert-Havemann-Gesamtschule wird in ein Gymnasium umgewandelt. Aus den bestehenden Gesamtschulen werden Integrierte Sekundarschulen, an denen man das Abi machen kann. Alle anderen Integ. Sekundarschulen erhalten eine feste Kooperation mit einem Oberstufenzentrum. Dort kann die allgemeine oder die fachgebundene Hochschulreife erworben werden.
Daneben gibt es die Gemeinschaftsschule, die ebenfalls das Abi anbietet und sich von der Sek-Schule unterscheidet, indem man dort von der ersten bis zur 13. Klasse bleiben kann. Absehbar ist: der Druck, eine weitere Gemeinschaftsschule zu gründen, wird wachsen. So etwas ist geplant am Rande des Friedrichshain.
Wichtig – wie kommt man auf welche Schule?
Ab 2010 werden die neuen Schulformen eingerichtet. Ab 2011 gibt es neues Verfahren, bei dem der Elternwille hohe Priorität hat – abhängig von der Zahl der Plätze. Die Kinder bewerben sich mit Erst- bis Drittwunsch an Schulen.
“Man durchläuft mit seinem Erstwunsch dann das komplette Verfahren an einer Schule”, sagte Zöllners Referent Thomas Duveneck.
Das bedeutet: Die angewählte Schule bildet einen Mix an Kriterien (Note, soziale Herkunft, immer wichtig: Wohnort) und wählt sich 60 Prozent der Schüler selbst aus. Gibt es deutlich mehr Bewerber als Plätze werden dann am Ende 30 Prozent durch Los entschieden.
Das Bezirksamt exerziert dies dann für Wunsch 2 und 3 ebenfalls durch. Hat ein Kind dann keinen Platz, bekommt es einen freien Platz an einer Schule zugewiesen.
“Wenn es diesen Platz nicht will, können sich die Eltern für ihr Kind eine Schule irgendwo in Berlin suchen. Oder an eine private Schule gehen”.
Stimmung: Der Abend war von deutlicher Nervosität der Eltern geprägt, nicht genug Gymnasialplätze zu bekommen.
“In Pankow wohnen deutlich mehr Akademiker mit Gymnasialempfohlenen Kindern als ansderswo”, sagte eine Mutter. “Gibt es genug Gymnasialplätze?” Ein Vater fragte: “Gibt es eine Garantie, dass man an einer Sekundarschule auch das Abi machen kann?”
Es herrschte eine deutliche Skepsis vor, den Ankündigungen des Schulsenators Jürgen Zöllner zu glauben, wie die neuen Schule ausgestattet werden sollen. Es heißt, die maximale Klassengröße liege bei 25 Kindern an Sekundarschulen, bei 32 an Gymnasien. Den Senat koste das 23 Millionen Euro an Mehrausgaben pro Jahr nur für Personal.
“Warum sollten wir dem Senat nach den Erfahrungen mit der flexiblen Anfangsphase glauben, dass die Reform mit den versprochenen personellen Mehrausgaben umgesetzt wird?”, fragte eine Mutter – und bekam dafür viel Applaus.
Wird Pankow wie andere Bezirke die Reform verschieben?
Nein, da stand Frau Zürn fest: Die zögernden Bezirke wir Reinickendorf oder Schöneberg täten dies “mit vorgeschobenen Gründen.” Alle Bezirke hätten dem zugestimmt, Pankow befinde sich in guter Gesellschaft, wenn es bei der Reform mitmache. Duveneck sagte, es sein kein Zufall, dass alle Schulstadträte der blockierenden Bezirke das Parteibuch der Opposition hätten.
Was heißt das alles für die Grundschule an der Marie?
Wir sollten eine informative Veranstaltung mit guten Referenten machen. Denn es könnte sein, dass viele Eltern ihre Kinder vor den Unwägbarkeiten der Reform ans Gymnasium in Sicherheit bringen wollen. Dagegen hilft eigentlich nur eins: Eine Kampagne, dass man an der Marie bestens aufgehoben ist – solange sich die Schulformen der Sekundarstufen neu finden müssen.